· 

Sitzenmachen!

Kannste dir nich ausdenken: Der Mauerbau am 13. August 1961 stoppte die Dreharbeiten zum US-Film „Eins, zwei, drei“ am Brandenburger Tor. Der 1933 aus Berlin emigrierte Regisseur Billy Wilder schuf seinerseits Fakten und baute die geschichtsträchtigen Säulen in den Bavaria-Studios wieder auf. Auch sonst ging vieles schief.

 

 

Bereits im Intro des Kinospielfilms „Eins, zwei, drei“ bringt C. R. MacNamara, ­Direktor der Coca-Cola-Filiale in West-Berlin, seine Sicht der Dinge auf den Punkt:

 

„Am Sonntag, dem 13. August 1961, waren die Augen Amerikas auf Washington gerichtet, wo ein Ereignis die ganze Nation in Atem hielt: das große Baseballspiel des Jahres, die Yankees gegen die Senators. Am selben Tag errichteten die Kommunisten durch einen Handstreich eine Mauer zwischen Ost- und Westberlin. Ich erwähne das nur, um zu zeigen, mit welcher Art von Leuten wir es in der Pankower Kreml-Filiale zu tun haben.“

 

 

In der Tat war der ost­deutschen Regierung für die Dreharbeiten zur US-amerika­nischen Filmkomödie „One, Two, Three“ im geteilten Berlin ein Scoop gelungen. Die Abriegelung der deutschen Trümmermetropole gab Regisseur Billy Wilders Ost-­West-Handlung eine ungeahnte Aktualität – und stellte die Filmcrew vor riesige Herausforderungen. Denn bis dahin war die weitgehend durchlässige Sektorengrenze als Handlungsort des Kinofilms von großer Bedeutung.

Mit dem 13. August 1961, vor 60 Jahren ­also, war es allerdings nicht mehr ­möglich, am Brandenburger Tor zu drehen. Unter enormem Aufwand musste diese ­historische Kulisse auf dem Bavaria-Film-Gelände in Geiselgasteig für 150.000 US-Dollar aus Pappmaché ­nachgebaut und das Drehbuch von Regisseur Wilder und dessen lang­jährigem ­Autor I.A.L. Diamond entsprechend angepasst werden.

 

 

Für das kongeniale Schreiber-Duo stellte dies aber kein Problem dar: Bis 1981 arbeiten die beiden bei zwölf ­Filmen zusammen, darunter waren die Klassiker „Manche mögen’s heiß“, „Das Appartement“ und „Avanti, Avanti“.

 

Der Plot ist schnell erzählt: Karrierist C. R. Mac­Namara (James Cagney) strebt in die Europazentrale von Coca Cola nach London, im Schlepptau die ­reisemüde Ehefrau (Arlene Francis) und die naive Tochter (Pamela Tiffin), die sich in einen jungen ­Kommunisten aus Ostberlin (Horst Buchholz) verliebt und mit ihm die Weltrevolution plant. Das kann dem Vollblutkapitalisten samt Hacke schlagender ­Angestellter und blonder Sekretärin (Lilo Pulver) so gar nicht gefallen, und er setzt die Rückholaktion an als heißen Ritt durch den Kalten Krieg.

 

Wilder und Diamond ­belebten die Tradition der Screwball-Komödie mit turbulenter Handlung und witzig-spritzig-intelligenten Dialogen à la „Leoparden küsst man nicht“ (Howard Hawks), „Es ­geschah in einer Nacht“ (Frank Capra), „Ninotschka“ (Ernst Lubitsch) oder „Die Nacht vor der ­Hochzeit“ (George Cukor).

 

 

Beim deutschen Publikum kam der Film aber nicht gut an. Zur Premiere im Dezember 1961 meckerte die „Berliner Zeitung“: „Was uns das Herz bricht, das findet Billy Wilder komisch.“ Der Film hatte sich während der Dreharbeiten von einer Farce in eine Tragödie verwandelt. Auf einmal wirkte das Lustige und Überdrehte zynisch. Billy Wilder ­erklärte es später so: „Ein Mann, der die Straße langläuft, hinfällt und wieder ­aufsteht, ist komisch. Einer, der hinfällt und nicht mehr aufsteht, ist nicht mehr komisch. Der Mauerbau war ein solcher tragischer Sturz.“

 

Text: oli/anbeat.com

Fotos: Imago

Kommentar schreiben

Kommentare: 0